Eine Sperrung der Straße von Hormus würde die Handelsströme in die Europäische Union nicht nur durch ausbleibende Rohstofflieferungen beeinträchtigen, sondern vor allem indirekt über weltweite Lieferketten und steigende Preise wirken. Zu diesem Ergebnis kommen das ifo Institut und Econpol Europe in einer gemeinsamen Analyse.
Direkter Anteil der Lieferungen bleibt begrenzt
Nach den Berechnungen der Analysten entfallen nur rund zwei Prozent der Importe in die EU von außerhalb der Union auf Waren, die aus dem Iran und den angrenzenden Staaten per Straße von Hormus nach Europa gelangen. Bei Rohöl und verflüssigtem Erdgas sind die Anteile hingegen deutlich höher: 6,2 Prozent beim Rohöl und 8,7 Prozent beim Flüssiggas.
Die ifo Forscher und Econpol Europe werten diese Zahlen als Hinweis darauf, dass die direkten Lieferausfälle für viele Warengruppen vergleichsweise begrenzt blieben. Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft, betont, dass die Mengen aus dem Iran und den Nachbarstaaten insgesamt einen relativ kleinen Teil des EU-Handels ausmachten, sich die Lage aber bei Energieimporten deutlich anders darstelle.
Größere Risiken durch indirekte Effekte
Die Studie hebt zugleich hervor, dass indirekte Effekte schwerwiegender sein können als die direkten Lieferausfälle. Eine Blockade könnte die Ölexporte der an der Westseite der Meerenge gelegenen Golfstaaten stark einschränken. Dadurch könnten die Preise auf den Weltmärkten steigen und globale Lieferketten gestört werden.
Solche Preissteigerungen und Verzögerungen in den Vorlieferketten würden sich über Produktionskosten und Transportwege auf die europäische Wirtschaft auswirken. Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren stellt diese Kaskade aus Preis- und Lieferketteneffekten ein größeres Risiko für Europa dar als die unmittelbaren Handelsausfälle.
Die Analyse basiert auf aktuellen Handelsdaten und Modellrechnungen des ifo Instituts und von Econpol Europe. Konkrete politisch operative Empfehlungen enthält die Veröffentlichung nicht, sie zielt darauf ab, die Eintrittspfade für wirtschaftliche Folgen einer Blockade der Meerenge zu verdeutlichen.
Quelle anzeigen

